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February 2012
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Burg Insterburg als touristische Anlage

Von: burg

Wir schreiben das Jahr 2012, das 15. Jahr der Arbeit der Burgstiftung auf dem Gelände des Geschichts- und Kulturdenkmales des 14. Jahrhunderts, der Burg Insterburg.
All diese Jahre empfangen wir auf der Burg Besucher, heißen sie willkommen, erzählen ihnen von der Burg und der Stadt, präsentieren unser Werk, schenken Tee ein — sind diese Besucher alle Touristen? ist die Burg deswegen eine touristische Anlage zu nennen? nimmt die Stiftung an der touristischen Entwicklung Nordostpreußens Teil? — Themen, die mir vor Beginn der Reisesaison durch den Kopf gehen.

Ende letzten Jahres, am 25. und 26. November, nahm ich in Pleskau an der internationalen Konferenz «Tourismus und Stadtlandschaften» teil. Die Anregung zur fachübergreifernden Diskussion über das Zusammenleben touristischer Infrastruktur und Stadtgewebes und die Zukunftsaussichten der Kleinstädte auf dem Tourismusmarkt kam vom Herausgeber des Architekturblattes «Projekt Baltia», Wladimir Frolow und seinen Mitarbeitern; ausgerichtet und aktiv teilgenommen an der Veranstaltung hat die Pleskauer Provinzialverwaltung. Die Vorsitzering des Pleskauer Staatskomittees für Tourismus, Investitionen und räumliche Entwicklung, Frau Natalia Trunowa, richtete eine Grußbotschaft an die versammelte Runde, auch andere Beamte nahmen Teil und stellten viele Fragen an die Referenten.

Liutauras Nekrošius von der TU Wilna berichtete von der «Touristischen Architektur Litauens» am Beispiel von Polangen: wie die kleine Seestadt wachse, welche das Bauen in den geschützten Naturbereichen regele, wie mehr und mehr besuchenswert werde, indem sie ihr Landschaft herausbilde. Seit Langem schon ist sie vielgerühmt und vielbesucht; zweifelsohne kann sie als Beispiel für Entwicklung eines schönen und komfortablen Kurortes gelten.

Atemberaubende Perspektiven malte Dmitri Melentjew auf dem St.Petersburger Architekturbüro «Vitruv und Söhne» aus: sein Vortrag galt dem Olympischen Park für Sotschi-2014. Am Beispiel des eigenen Werks zeigte er das Planen bei Berücksichtigung der Veranstaltungs- und Besucherbelange — unzählige und wichtige Einzelheiten müssen beim Bau solcher Massenanlagen in Einklang gebracht werden, um komfortable, dabei sichere und einmalig schöne Ergebnisse zu bekommen.


Der Hauptarchitekt des Pskowgraschdanprojekt-Institutes Wladimir Bessonow überschrieb sein Vortrag «Das Goldene Ufer und seine Bedeutung im Stadtleben als eines Elementen in der Gestaltung des Stadtraumes»: es war eine Geschichte des Niedergangs, der Investorensuche, der Rekonstruktion und Rettung eines Architekturdenkmales mitten im Herzen der Stadt. Die schöne Anlage haben wir als waschechte Touristen am folgendem Tage besichtigt.



Ilja Filimonow, Architekt und Aktiver aus St.Petersburg, stellte sein interessant anzuhörendes «Touristische Entwicklungskonzept für den Osten des Leningrader Gebietes». Seine Probleme mit dem Verfall einmaliger Kulturdenkmäler sind den unsrigen gleich, nur handele es sich bei ihm um Holzbauten — er ist der Auffassung, daß Investitionen in touristische Infrastruktur in entlegenen Orten beizeiten segenhaft sein wird für den Erhalt der Denkmäler dortselbst.

Michael Mamoschin (Architekturwerkstatt Michael Mamoschin, St.Petersburg) sprach zum heißdiskutierten Thema der «Findung identitätsstiftender Formen in der modernen Architektur» und zeigte viele interessante Beispiele für jungzeitiges Bauen in der historischen Umgebung der nördlichen Hauptstadt Rußlands. Die gleiche Frage ist auch für Kleinstädte von Belang: wie soll neu gebaut werden? vermag sie, sich in die gewachsene historische Umgebung einzufügen? Die Antwort lautete “ja”: es ist keineswegs zwingend, erschütternd hohe Glasbauten in die gesetzte Umgebung hineinzupropfen — auf die Nachbarn kann man auch eingehen, ihre Höhe, Größe, Farbe und Formen interpretieren.

Von der «Fachmännischen Anstrahlung der Architekturdenkmäler» sprach Anna Schapiro von der «Saros»-Firmengruppe, und leuchtete die Frage aus, wie richtige Abendbeleuchtung einer Stadt ihre Schönheit unterstreichen kann. Anhand der Beispiele wurde die stimmhafte und norm- wie bedarfsgerechte Anstrahlung erörtert.

Inge Peebu, Fachfrau für Stadtentwicklung aus Estnischem Wesenberg und Keio Soomelt, Direktor des städtischen Kulturzentrums dortselbst, beeindruckten alle durch ihre beschwingte Präsentation «Erfolgreiches Event-Management als Grundlage einer Medien-Entwicklungsstrategie einer modernen Kleinstadt»: dem Behörden dort gelang es, überaus eigene Pfade in der Zusammenarbeit mit der Ortsbevölkerung und den Bürgerinintiativen einzuschlagen. Anderorts werden sie bestenfalls einem Verein anvertraut, im kleinen Wesenberg aber haben die Bürgerbewegungen tatsächlich die Stadt zu entwickeln vermocht. Das Leben der ständigen Bewohner wurde interessanter, was sicn unmittelbar auf die Gastfreundschaft auswirkte, und das nicht ohne Folgen: die Besucherzahlen schossen in die Höhe, womit man wieder beim Tagungsthema wäre, dem Tourismus.

Auch wir waren mit einer Präsentation vertreten: «Burg Insterburg, sozio-kulturelle Vorhaben in einem Architekturdenkmal des 14. Jahrhunderts». Ich sprach davon, wo Insterburg liege, über die geschichtliche Besonderheiten der Provinz, über die überwiegend erhaltene Altbausubstanz, darüber, wie schwierig es sei, ein Erbe zu erhalten, welches jahrelang als unnützig und fremd galt. Es ging um unsere Stiftung und ihr Werk, ein Experiment, welches 1997 begann und noch kein Ende absieht. Seinerzeit traf unser Einsatz auf alles andere als Begeisterung, doch dagten wir uns, wo ein Wille sei, finde sich auch ein Weg, und so sind wir schon seit 14 Jahren mit Freude am Werk.
Es gab zahlreiche Rückfragen seitens der Teilnehmer der Tagung.


Am Ende blieb festzustellen, daß wir, im Denkmal ansäßig, ihn wiederherstellend und Gäste willkommen heißend, keine Arbeit am Touristen leisten, zumindest nicht im eigentlichen Sinne. Tourismus ist in erster Linie gewinnorientiert, wir aber sind gemeinnützig. Doch wenn wir mit Liebe vom Ort berichten, in dem wir leben, formen wir eine ansprechende Gestalt von jenem Ort. Unsere Freunde und Gleichgesinnte, Fachleute aus allen Herren Ländern, erbringen eine mit Geld nicht zu ermessende Freiwilligenarbeit, und diese sei es, die unmittelbar mit der Stadtentwicklung zu tun habe. Daraus und mit Unterstützung der Stadt entstand das “insterJAHR” — Wiedergewinnung historischen Architekturerbes Insterburgs, um auf dieser Basis Tschernjachowsk neu zu entwickeln. Ohne auf touristische Ströme und Förderprogramme einzugehen, wollen wir, daß diejenigen, die die kleine Stadt ihr Zuhause nennen, ihre Schönheit und Einmaligkeit erkennen, wollen, daß die Ämter mit den Geschäftsleuten und der Bürgerschaft ihre Kräfte vereinen, daß von der ungenutzten Ressource der baulichen Besonderheit Gebrauch gemacht wird.
Unser Ziel sei, daß es wieder erstrebenswert werde, Kinder in dieser Stadt in die Welt zu setzen, daß die Stadt wieder von des Bürgers Hand gepflegt werde und die Provinz lebenswert. Ist dies vollbracht, kommen die Touristen von alleine.
Es mache auch wesentlich mehr Freude, Gäste in einem hergerichteten Hause zu empfangen.

Wlada Smirnowa

Alle Aufnahmen außer BV Olympischer Park (V&S) und BV Goldenes Ufer (Pskowgraschdanprojekt) — “Projekt Baltia”.

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Veranstaltungen

29.02.2012 11:00

«Touristische Entwicklung des Gebietes Kaliningrad», Konferenz, Fischbörse zu Königsberg

01.05.2012 10:00

«Museumspicknick» auf der Burg Insterburg

02.05.2012 10:00

«Deutscher Orden, Geschichte und Gegenwart»: Forschungskonferenz, Diskussionen, Schaukämpfe

19.05.2012 11:00

Europaweite «Lange Nacht der Museen» zur Gast auf der Burg Insterburg

26.05.2012 10:00

Festival der Stile, «Epoche. Musik. Kostüm». Präsentationen der Hobbyvereine usw. auf der Burg Insterburg

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