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Turm der Einheit

Von: 12inster_admin34534

Der Schöpfer der deutschen Einheit, war der Eiserne Kanzler Otto von Bismarck bereits zu Lebzeiten zu einer überlebensgroßen Figur geworden, zum Vater des Vaterlandes. Schon reifte der patriotische Gedanke, landesweit Türme als sichtbare Zeichen der Heldenverehrung zu errichten — neuerliche “Schau-ins-Lande”. Bismarck selbst sah ihre Zahl bereits die Zehnergrenze überschreiten; nach seinem Tode sorgte ein eingens einberufener Wettbewerb für die Festigung des Bautentypus. Meist waren solche Türme steinern, von archaisierender Gestalt; sie trugen eine Feuerschale und vereinten in sich das Gedenken, den Nutzen (als Aussichtsplattforme) und die Raumordnung.

In der Zeit von 1869 bis 1934 entstanden etwa 250 solcher Türme. In Nordostpreußen gab es ihrer vier: eines bei Königsberg, eines in Insterburg, eines bei Ragnit und ein letztes bei Gumbinnen. Nur zwei überdauerten.

Der Bismarckturm in Nettienen stammt aus dem Jahre 1913. Für die Errichtung gründete man eine besondere Baukomission, die Ausführung oblag dem Maurermeister Emil Kadereit. Quadratisch in der Grundform (Innenmaß 6 auf 6 Meter), steigt der Turm auf 15 m hinauf — und das auf einem 33-Meter-Hügel. Aus Findlingen und Ziegelsteinen aufgemauert, urwüchsig und betont massiv, mit schmalen Fensterscharten und bezahntem Abschluß, ist der Turm ein gebauter Geschichtsveweis, etwa auf die Zeit des Deutschen Ordens.
Über dem Eingang ist eine Steintafel eingesetzt. Ihr Inhalt ist ein Wort —“Bismarck”.

Verglichen mit den Schwesterbauten etwa in Ober-Eißeln ist der Insterburger Turm redlich gut erhalten, doch trete man nicht eiligst zur Restauration, laufe man Gefahr, das Denkmal unwiederbringlich zu verlieren. Schon heute fehlen die unteren Stufen und Podeste, das Geländer ist durchgehend weg, das Feldsteinmauerwerk ist stellenweise beschädigt, die metallene Feuerschale verloren. Wo der Zutritt zum Turm jedermann frei und die Fenster offen, stehe die innere Ziegelschicht ohne jegliche Konservierungsmaßnahmen allen Winden und Wettern ausgesetzt. Die teilweise Zerstörung der Nordwestlecke trage angesichts dessen den Keim des Absackens ganzer Mauertafeln!

(Aufnahmen vom Juli 2011)

(Aufmaß vom Juli 2011)

Trotz der vielen Schäden ist die Wiederherstellung des einstigen Äußeren des Turmes durchaus möglich, den Vorentwurf dazu stellten die “insterJAHR”-Praktikantinnen aus Kasan zusammen, gleich nachdem sie mit dem Aufmaß des Turmes fertig waren. Die erste Arbeit der Saison 2011 ist damit vollbracht!

Bei der Arbeit am Turmentwurf bediente man sich angesichts der knappen Quelldaten (ein Bild aus dem Jahre 1913 liege vor) der Vergleichsbeispiele, vor allem des einen in Ober-Eißeln. Zu Wiederherstellen wären nicht nur die Mauerwerksfragmente, die Fensterfüllungen und die Treppe, oder die Feuerschale oben auf dem Turm, sondern auch der bepflasterte Sockel, die steinerne Treppe, die auf ihn führe. Diesen Sockels Seitenmauern wären mit Findlingen zu belegen und der Rand mit Lebensbäumen zu bepflanzen. Unten am Fuße des Hügels werden die Parkplätze mit Toiletten angelegt und eine Holztreppe den Hang hinauf angeordnet.

Diese Restauriegungsideen und die Absicht, den Turm bis zu seinem Hundertsten im Jahre 2013 wieder herzurichten, als eines Symbols der Anerkennung und Fürsorge fürs Geschichtserbe der Welt, wurden dem Vertreter des “Internationalen Bundes” Herr Peter Kruschwitz bekannt gemacht — er fand den Gedanken durchaus erfolgversprechend. Nun gelte es, mit seiner Hilfe die Arbeiten des “insterJAHRes” an der Erforschung, dem Erhalt und der Populärisierung des Kulturerbes Insterburgs der gesamteuropäischen Öffentlichkeit bekannt zu machen.

(Entwurf Juli 2011)

An der Wiederherstellung des Bismarckturmes führe kein Weg vorbei: hier finden sowohl die Insterburger, als auch die Georgenburger Wege und Panoramen ihr Anfang und ihr Abschluß. Vom Horizont zum Horizont reiche der Blick von der Turmspitze: hie die Inster, da die Insterburg mit all den Zipfeln, der katholischen Hl.Bruno-Kirche, der reformierten Kirche, dem Wasserturm… Die Stufen herunter- oder heraufdeklinierend, könne auch dessen gedacht werden, daß Otto von Bismarck fast vier Jahre der königlich-preußische Botschafter in St.Petersburg war, Russisch verstand und stets für die Verständigung zwischen den beiden Ländern eintrat. Der ihm gewidmete Turm erinnere also auch an die Tradition der Beziehungen der beiden Staaten.

Kommentare (7) zum Eintrag “Turm der Einheit”

  1. Peter Kruschwitz 17.06.2011 12:02

    Hier gehe es um eine symbolträchtige Beteiligung deutscher Jugendlicher an der geplanten Restaurierung des Turmes. Von der deutschen Seite können hierzu Hilfsarbeiten verrichtet, z.B. in einer Woche 6 Jugendliche und ein Ausbilder. Um dies im Sommer 2012 tatsächlich so laufen zu lassen, muß noch ein Projekt beantragt werden, z.D. im rahmen des KJP-Programmes der Stiftung DRJA – und dann müssen sich noch die Jugendliche finden, die bereit wären, für 1-2 Wochen nach Tschernjachowsk zu fahren. Wir als IB prüfen derzeit eine vergleichweise geringe Beteiligung.

  2. D.Suchin 22.06.2011 01:57

    Die alte Aufnahme ganz oben zeige keinelei Sockelplattformen, ganz im Gegenteil: man sieht, daß die eine Turmseite tiefer liege als die andere. Der Turm stehe also am Hang – woher nehmen die angehenden Restauratoren ihre anderslautende Idee?
    Für den Turm am barem Grund spreche auch die Denkweise der Erbauungszeit: so wie der Sohn des deuschen Volkes aus seiner Masse entwuchs, sollte auch der Turm ohne jeden Schnickschnack aus dem Hügel steigen. Alles Gestelzte sollte ihm fernbleiben! – auch das Bild, welches von der Hauptseite nach diesem Beitrag verweise, zeige just so eine Szene. Was soll also die Einfügung?
    Der Schnitt am Ende des Beitrages zeige einen weiteren Grund zur Ablehnung einer solchen Plattform: beim Blick von der Straße verkrüppele sie den Turm. Er wirke kürzer, werde gleichsam in den Hintergrund geschoben. Ist das der Effekt, der von uns gewünscht?
    Und dann noch die Tatsache, daß man bisher keine Spuren solcherlei Sockels fand: mögen die Ragniter ihn auch haben, mögen sie auch den heiligen Hain oder was auch immer herumgepflanzt haben, alles sei ihnen vergönnt – hier stand man anders! Oder legten die Grabungen etwa die Umfassungsmauern einstigen Stylobats frei, mitsamt den Wurzeln geschlagener Bäume?..

  3. J. Bielefeld 22.06.2011 12:34

    Sehr geehrter Herr Suchin,

    vielen Dank für Ihre Mail mit den für mich überraschenden und auch sehr erfreulichen Neuigkeiten.

    Eine Sanierung des Turmes beim jetzigen Zustand des BT Insterburg ist sicherlich mit großen Arbeitsaufwand und Anstrengungen verbunden.
    Ich hoffe, dass das Projekt realisiert werden kann.
    Die Projektseite mit den vielen Zeichnungen und Details lassen mich da hoffen.

    Leider habe ich über die Türme im ehemaligen Nordostpreußen nur wenige Informationen.
    Gerne nenne ich Ihnen meine drei Quellen:

    Seele, Sieglinde: Lexikon der Bismarck-Denkmäler, Imhof-Verlag Petersberg, 2005, S. 209-210
    Zeitschrift des Bismarck-Bundes; 11. Jahrgang 1913 (S. 11, 95, 169)
    von Bismarck, Valentin: Bismarck-Feuersäulen u. Türme (unveröffentlichtes Manuskript); Nr. 188 “Bismarck-Feuersäule bei Insterburg”, 1900 – 1915, 1937 (im Archiv der Burschenschaft Alemannia, Bonn)
    Leider widersprechen sich hier einige Angaben:
    In der Zeitschrift des Bismarck-Bundes und bei Frau Seele wird angeben:
    Entwurf Baumeister Schlichting (beim Bismarck-Bund „Kreisbaumeister Schlichting“), ausführender Bauunternehmer Emil Kadereit

    Bei Valentin von Bismarck wird angegeben:
    Ausführender Architekt war Regierungs-Baumeister Bode zu Kreuznach

    Zitat Zeitschrift des Bismarck-Bundes (Jg. 1913, S. 95):
    „Am 2. Juni fand unter dem Vorsitz des Landrats Overweg eine Sitzung des Ausschusses für die Errichtung des Bismarckturmes statt, in der Kreisbaumeister Schlichting mitteilte, daß sämtliche Baumaterialien bereits angefahren seien, so daß nunmehr unverzüglich die Ausführungsarbeiten in Angriff genommen werden können, die dem Bauunternehmer Kadereit übertragen wurden.“

  4. Jörg Bielefeld 22.06.2011 12:43

    Anbei noch ein Foto kurz nach Einweihung des BT Insterburg, welches auch den Vorplatz um den Turm zeigt.

  5. Autoren 28.06.2011 22:23

    Wir vermuten, daß das angeführte Bild während des Baues aufgenommen wurde. Auf dem anderen Photo aus dem Jahre 1913 sieht man hingegen ganz deutlich das Plateau mit der Umfassung und die symmetrisch gepflanzten Bäume.
    Was die Größe des Platzes anbetrifft, so glauben wir, dieses habe nur geringen Einfluß auf das Aussehen des Turmes von der Straße aus. Macht man ihn hingegen kleiner, so leide sowohl das gefällige Äußere wie auch die Funktionalität.

  6. "Rußland 1" Königsberg 07.07.2011 09:16

  7. Sebastian Sosnowski 17.02.2012 14:10

    Hi, I just made a 3D model of this tower for Google Earth.


    It`s not 100% accurate, but I hope you`ll like it anyway.
    Greetings form Poland.

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