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Frieda-Park

Von: 12inster_admin34534

Keines der Insterburger Friedhöfe erreichte uns ohne Schaden: die Gewölbe der Lutherkirche liegen seit der Sprengung 1976 verschüttet, aus dem alten städtischen Friedhof wurde 1996 eine militärische Sammelstätte des Ersten und Zweiten Welkrieges, auf dem Gelände des Neuen Friedhofs machten sich erst die Caroussels und Jungpionier-Appellplätze breit, bevor auch sie überwuchert der Vergessenheit anheim fielen…
Heute erinnert nur das umgangssprachliche “Frieda” an den einstigen Friedhof am Ende der Salzburger Str.: seltsam, daß ausgerechnet dieses Wort blieb, und das sogar in der Form, die auch an Frieda Jung denken ließe, liege doch die Insterburger Heimatdichterin seit 1929 just auf diesem Friedhof. Man könnte meinen, Gedichte hielten besser stand, als Stein und Eisen.

Die “Beltine”-Klasse sieht in dem Park, welches sich noch als ein Friedhof kenne, eine überaus romantische Aposiopese, die alle Lesarten in ihrer Offenheit zusammenführe. Als räumliche Entsprechung dessen sehen die den Frieda-Jung-Gedächtnispark kommen.

Die alten Gräber wird man nicht wiederaufrichten können, kaum einer wisse noch, wo dieses oder jenes lag — so überlassen wir sie dem Schutz der alten Bäumen und der einmalig schön bewegten Landes: der ganze Park werde so zum Kenotaph. Seine bildliche Verkörperung könnte ein Denkmal werden, gewidmet nicht etwa der Dichterin persönlich, geschweige denn der Form ihres Grabsteines nachempfunden — ein Platzhalter der Idee, die ein jeder selbst erdichten solle. Buchstaben am Stein können dabei nur hinderlich sein.

Barbara Basuewa: “Wir sehen die Züge der Dichterin in der Kontur des Steines. Selbst ist sie fort, doch ihr Geist sei hier.”

Ein separates Zeichen an der tatsächlichen Begräbnisstätte kann dabei natürlich genauso entstehen, auch ein Gedenkort an alle Insterburger, ob hier oder andernorts fern der Heimat begraben. Die regulären Friedhofsfelder, soweit ermittelbar im Bewuchs, gehören wieder freigelegt.


Eine weitere poetische Ebene des Parks erschaffen die neuanzulegenden Pfade die, kunstvoll geschwungen, Felder der Russischen, Deutschen oder Preußischen Dichtkunst miteinander verbinden, des augusteischen oder des silbernen Zeitalters… Dem Insterburger Dichterclub kann die Ausarbeitung dieses Konzeptteils anvertraut werden.

An zwei Stellen führe der introvertierte Park seine Alleen zusammen und öffne sich gen Außen: an einer oberen Aussicht über den Angerapptal und den einstigen Turnierplatz — und am Abgang zum Altarm des Flusses, wo eine natürliche Senke zum Wasser herabsteige. Heute noch völlig überwuchert, wartet diese Ecke des künftigen Parks, ihre landschaftliche Reize auzbreiten zu können.

Bereits im Windersemester 2010-2011 wird der Aussichtsplatz des Frieda-Jung-Gedächtnisparks eine Studienaufgabe der Fakultät gestaltung der St.Petersburger Universität werden.

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