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Fazit des Ersten Insterburger Kolloquiums

Von: 12inster_admin34534

Die Teilnehmer des 1. internationalen Fachkolloquiums zur Restaurierung, Erneuerung und Reparatur (Insterburg, 2.-4. Juni 2010) stellen mit Genugtuung fest, daß die Beiträge der Versammelten, die Eingaben der Gäste und die Geleitworte der Amtsstellen einen hohen Grad der Übereinstimmung aufwiesen. Aus den Berufserfahrungen der westeuropäischen Teilnehmer und in Kenntnis russischer Regelungen ziehen die Teilnehmer einen folgenden Fazit:

  • Wiederherstellung historischer Nachbarschaften oder einzelner Bauten solle stets einer eingehenden Untersuchung der Bausubstanz und des Nutzerbedarfs folgen. Dabei darf die Rettung ihrer vor drohenden Zerstörung nicht in Abhängingkeit geraten vom Vorhandensein etwaiger Nachnutzungskonzepte: gefährdete Bauten sollten äußerlich gesichert oder besser noch restauriert werden, auf daß sie die spätere Interieurarbeiten abwarten können, ohne der Gefahr des völligen Zerfalls ausgesetzt zu sein.
  • Erneuerungsverfahren, mit Erfolg in Berlin, Amsterdam oder Görlitz angewandt, widersprechen den russischen Gesetzen nicht, sind aber russischerseits noch nie in der Praxis angewandt worden. Sie können und sollen zu Insterburg erprobt werden, wo die Aufgaben, vor denen diese Stadt stehe, jenen der vorgenannten Städte genau gleichen.
  • Ihrer Natur nach kostspielige Erneuerungsmaßnahmen können nie aus den Beiträgen der wenigen Endnutzer oder der Stadt alleine erbracht werden. Denkenswert ist die Errichtung eines Gemeinschaftsfonds, in den die Landes- und die Lokalmittel zusammen mit Firmen- und Privatbeiträgen derer, die am Wiederherstellungsthema interessiert seien, hineinfließen können. Eine treuhändische Verwaltung dieser Mittel müsse vor Ort erfolgen.
  • Allgemeiner Mangel an Ressourcen verbietet die übermäßige Verbreitung des Ersterprobungsfeldes neuer (alter) Verfahren und Heransgehensweisen. Vielversprechend erscheint hingegen die weitestmögliche Heranziehung russischer und internationaler Fachöffentlichkeit durch die gezielte Auswahl besonders prominenter Testbauten, dergleichen russischer und internationaler Mitfinanzierer der nie vorher angewandter Methoden, und der geballter Einsatz ihrer an einer beschränkter Anzahl der Testobjekte (einem Testobjekt).
  • Für solche Probeläufe bestens geeignet erscheinen in Insterburg die Bauten des Weltarchitekten Hans Scharoun in der Bunten Reihe. Die Erfahrungen, die man an diesen Häusern gewonnen, können beispielgebend für alle nachfolgenden auf die ähnlich durchdachte Weise zu erneuernden Bauten sein, und den erneuerungsinteressierten Nachbarn als Denkmuster dienen.
  • Nachhaltige Erneuerung der Bauten und Nachbarschaften ist ohne eine breite Heranziehung der Stadtöffentlichkeit nicht möglich. Diese solle neben anderen die Bereiche der Entwurfsaufgabenstellung, der Disputation und der Ausführung mit einschließen. Der Bau eines Modells der Bunten Reihe erscheint hierzu erforderlich. Eine besondere Rolle komme den Bewohnern der zu erneuernden Bauten zu, die, in Bewohnervertretungen verfaßt, täglich und dauerhaft an der Projektarbeit zu beteiligen sind.
  • Neue Herangehensweisen, ohne die peinlichste Befolgung der geltenden Regeln angewandt, kann die ganze Idee der Erneuerung in Mißkredit ziehen. Mit Dank wird daher die Bereitschaft der Denkmalschutzbehörden konstatiert, den Neuerern juristischen Rat zu erteilen.
  • Um Fehltritte, Übereifer oder Auslassungen zu vermeiden, ist es nötig, ein Beratungsnetzwerk einzurichten. Kolloquimredner erscheinen hierzu prädestiniert. Ferner ist es nötig, ihre Beiträge zu sammeln und kommentiert herauszugeben.

Für die Arbeiten an der Bunten Reihe und der Kamswyker Allee schlagen die Teilnehmer einen folgenden Ablauf vor:

  1. Für die Erstellung der Datengrundlagen werden die studentischen Teilnehmer der sommerlichen Praxisseminare herangezogen, die die Stadt in Juni und Juli 2010 erwarte.
  2. Den Studenten wird zur Aufgabe gemacht, die Bauten an der Bunten Reihe und der Kamswyker Allee zu begehen. Hierbei erstellen sie eine (Bild-) Dokumentation des (Fehl-) Bestandes historischer Originalteile und der Abweichungen von den vorhandenen Amtsplänen. Hierbei werden die Typungsarbeiten Winfried Brennes an der Hufeisensiedlung und der Onkel-Toms-Hütte, beide zu Berlin, als Lernmuster herangezogen.
  3. Die zu erbringenden Erneuerungsmaßnahmen werden von der Bewohnerschaft der Bunten Reihe in einem zu gründenden Verein debattiert, wobei ein Wunschkatalog der Maßnahmen erstellt wird. Als Vereinsmitglieder kommen die Bewohner oder Besitzer der Immobilien in Frage, dergleichen Bewohner oder Besitzer der Neubauten, die an der Stelle der abgängigen Häusern stehen, in Frage, oder auch beide Personenkreisen in den noch zu bestimmenden Zusammensetzungen. Für eine stete Information der Bewohner über den Arbeitshergang ist zu sorgen.
  4. Städtische Ämter, zusammen mit den Denkmalschutzbehörden, klären die Gründungsfragen von den mit der Leitung der Arbeiten zu beauftragenden Koordinationsbüros nach dem Muster des Georg Wasmuths Vortrags.
  5. Entsprechend den Begehungsergebnissen wird ein Haus der Bunten Reihe ausgewählt, welches als erstes musterhaft bearbeitet werden wird. Bei Bedarf wird schon vor Beginn der eigentlichen Arbeiten kurzfristig die dringlichste Reparatur ausgeführt, deren Ausbleiben die planmaßige wissenschaftliche Vorbereitung der Erneuerungsmaßnahme hintertreibe.
  6. Erbrachte Untersuchungsergebnisse, die neuen Strukturen und die angedachten Verfahrensschritte werden den zuständigen russischen Stellen vorgelegt, um die in Aussicht gestellten Beihilfen zu erhalten (Wohnungsbaureformfonds usw.)
  7. Eine Kooperation mit dem in Gründung begriffenem gemeinschaftlichen Bildungskursus der Deutschen DenkmalAkademie und der Königsberger Bauschule wird angestrebt, um die Kursstudenten für die Übungsarbeiten an der Bunten Reihe zu gewinnen

Zusammengestellt auf Russisch am 4. Juni 2010 zu Insterburg, angenommen ohne Widerspruch

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