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6 Rundschuppen der Ostbahn; №…, Berlin-Pankow-Heinersdorf

Von: 12inster_admin34534

Sowohl das Entstehen wie der Niedergang des Zirkel-Bautyps fallen ins 19. Jahrhundert: die enge Bindung des einmal erbauten Depots an die bestimmten Maschinengrößen, entweder zur Erbauungszeit vorhanden oder vorausgesehen, verlangte entweder nach Visionären, oder aber nach offenen Systemen. Als solche arbeiteten sich bald der Fächer und das Rechteck heraus — der letzte Rundschuppen Deutschlands, typengleich mit Rummelsburg-II, war schon 22 Jahre nach dem Pionierbau in Schneidemühl, im Jahre 1893.
Unter der Schwedler-Kuppel zu Pankow-Heinersdorf fanden 24 Fahr- und Standgleise Platz.
Den Entwurf und die Ausführung zeichneten Bathmann und Horstmann.
Die Grundfläche betrug 3207 m2, das Bauvolumen 30941,1 m3.


Der Güter- und Rangierbahnhof der Stettiner Eisenbahn war eines der wichtigsten Umschlagplätze des alten Berlins: schon 1901 wuchs sie um ein Radialschuppen unmittelbar hinter der Kuppel, zu 1909—1921—1923—1924 gab es Erweiterungen, nach dem Krieg folgte der Wiederaufbau, neue Betriebs- und Sozialanlagen in 1961, der Abschied vom Dampf in 1969, die Laderampen für den Großtafelbau in den 1970—1980ern… In all den Jahren und bis ins Jahr 1995 hinein diente die Kuppel der Reparatur des Rollmaterials.

Kaum zwei Jahre nach dem Runddepot, in 1997, war auch der Rangierbahnhof geschlossen.

Dem Rummelsburger Beispiel genau gleichend, weichen dieser Rangierbahnhof und dieser Rundschuppen in einem wesentlichen Faktor von ihnen ab — sie liegen weitaus günstiger, unmittelbar an einem Autobahnanschluß, den Bahnhöfen und Haltestellen, und der angrenzenden Wohnbebauung in der —ein Wunder! — es an den Handelsflächen mangele. Erst versuchte sich die Bahn als Entwicklerin und Bauherrin, allerdings ohne Erfolg: aus dem Städtebau-Wettbewerb von 2004 erhielt sie eine schöne Empfehlung, fast die gesamte 250000 m2-Fläche von der Bebauung freizuhalten, auf daß ein Grünkeil, vom Stadtrand kommend, hier bis an den Stadtkern heranreiche. Wo die einen ihr Wisentpark kommen sahen, waren die anderen auf den Steueraufkommen der anvisierten Wohn- und Gewerbeflächen hinaus, während die Anrainer sich um ihre Ruhe bzw. um die Konkurrenz sorgten… In 2007 legte man das Vorhaben ad acta.
Der Rundschuppen blieb leer.


In 2009 erwarb der Möbelhändler Kurt Krieger das ganze Territorium, mitsamt der Option aufs Schuppengelände. Sein Bebauungskonzept war bereits mannigfältiger, mit Wohnen, einem Park, einigen Spiel- und Erholungsplätzen, einer Schule, einem Regionalmarkt… natürlich auch dem Einkaufszentrum und zwei Möbelläden. Restauriert, sollte das Depot entweder ein Baumarkt, oder aber Kultur und Erholung in sich aufnehmen. Die Beratungen dauern noch an.
Der Rundschuppen bleibt leer.


Auch im 20. Jahrhundert gab es einige Meilensteine in der Entwicklung der Schalenkuppeln und auch der Depots darin, so z.B. die geodätischen Sphären Buckminster Fullers, von Johann Schwedler vorweggenommen. In dieser Bauweise wurde in Kansas City ein Tankwagendepot der “Union Tank Car Company” errichtet, mit immerhin 115,5 m im Durchmesser. Die größte Halle dieser Art ist die “Poliedro de Caracas” — sie mißt ganze 143 m. Form- und Akustikbedingt fanden sich einige der ausgedienten Lokschuppen als erfolgreiche Veranstaltungs- und Konzerthallen wieder (London), oder aber gruppierten Büros ums große Atrien (St.Petersburg) (von oben nach unten).







Welchen Weg nehmen bei solchen Vorbildern die verbliebenen fünf der sechs Rundschuppen der preußischen Ostbahn?


Unter Verwendung von freundlich zur Verfügung gestellten Aufnahmen von Gerd Böhmer, Wilfried Wolff und dem Londoner “Roundhouse”.

Kommentare (2) zum Eintrag “6 Rundschuppen der Ostbahn; №…, Berlin-Pankow-Heinersdorf”

  1. Janin Trinks 31.05.2011 16:04

    Seit 2004 wohne ich im schönen Pankow…und nun das. Hier wird ein Höffi und ein Sconto als Kiste gebaut.
    Ich muß mich wohl daran gewöhnen das die Pankower keinen Stil haben sondern geprägt sind vom Discount. Die Gemeindekassen sind leer. Der Pankower Bezirk ist hoch verschuldet, das merkt man an allen Ecken und Enden. Besonders wenn man Kinder hat, kommt noch dazu ein gewisser Anspruch an Stil in der Architektur ist es wohl völlig vorbei.
    Das einzig Positive ist für mich, das wir nun im Alten Güterbahnhofsgelände offiziell spazieren gehen dürfen. Die riesigen Parkplätze und Kistenarchitektur muß man dabei ausblenden.
    Das wäre eine wunderbare Chance gewesen………

  2. Janin Trinks 10.11.2011 20:24

    Nun noch ein Nachtrag.
    Die Bauarbeiten haben begonnen.
    Jeden Morgen fahren wir mit dem Fahrrad an der Araltankstelle des Autobahnzubringers vorbei. Es ist schwierig, einen Siebenjährigen dort vorbeizulotsen, wenn große Bagger in der Erde wühlen und riesige Bezintanks ausgegraben werden. Vorgestern ist das Stellwerk des Rangierhügels, welcher schon lange nicht mehr existiert, gefallen. Ganz aus Stahlbeton war es. Schon beindruckend, wie ein Abrißbagger ihm zu Leibe rückte. Das Aneinanderscheppern der Waggons, welche den Hügel herunterrollten und mit lautem Knallen an die metallenen Stoßdämpfer prallten, war mir in den Ohren, dabei ist das schon eine Ewigkeit her. Die Pläne, welche vom Senat diskutiert werden, liegen in einer Infobox aus. Ich habe etliche Bekannte gefragt, jedoch konnten Sie damit nichts anfangen. Für jemanden, der nicht vom Fach ist, sind sie wohl zu abstrakt. Gerade die Bebauung am S-Bahnhof, welche noch am meisten nicht der Kistenarchitektur entspricht, ist wohl in Kritik geraten, da hier noch ein Einkaufszentrum gebaut werrden soll. Sie sind ja gerade dabei den Garbatyplatz umzugraben. Das ist sozusagen nebenan.
    Auch frage ich mich, warum Höffi ganz offiziell seine nun größte Filliale und Hauptsitz in Berlin bauen will, dabei aber architektonisch ins Nichtssagende abstürzt. Aber diese Fragen spielen nach offiziellen Aussagen in den Zeitungen keine Rolle.
    Schönheit ist eben subjektiv.
    Architektur auch.

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