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Hauswärmer

Von: 12inster_admin34534

Als ob in Vorbereitung der “insterJAHR”-Übungen 2012 ist in der Zeitschrift “bau|beratung|architektur” eine Reihe von Dossiers erschienen, die dem Thema der wärmetechnischen Ertüchtigung der Wände, Dächer und Decken gewidmet sind. Manche der dort vorgestellten Lösungen rufen regelrecht danach, ausprobiert zu werden&nbsp&151; ein Grund, sie sich näher anzuschauen, und auch die Beispiele ihrer Anwendung, umsomehr, als es in Deutschland Kenntnisse zum Thema gebe, die man andernorts lange suchen würde.

Das heutige Leben, Wohnen, Waschen, Heizen und Kochen ist wesentlich anders, viel aufwendiger als noch vor 20 und 50, geschweige denn 100 Jahren: wir verbrauchen wesentlich mehr Energie. Nur logisch, daß man das Verbrauchte anderswo wieder einzuholen sucht. So ersetzt uns ein neues, sauberes Auto das Vorgängermodell, und auch dem Kochherd wird das gleiche Schicksal zuteil; der Blick zur eigenen Hauswand ist demnach nur natürlich: wie können wir die Häuser verbessern, Innen wie Außen?

Die meistverbreitete Art, Altes zu dämmen, ist mittels WDV und Vorhangfassaden unterschiedlicher Häßlichkeit. Das alte Putz mit Styroporen beklebt, die zierlichen Fenster durch neue PVC-Klobigkeit ersetzt, die echten Dachsteine gegen bitumonösen Auslegersatz ausgetauscht, werfe man sich in die Arme der industiellen Pflegeleichtigkeit — was scheren uns die Proportionen vom Vortag?
Wohl entledige man sich so des Knarrens und des Unterhaltes — doch auch die Freude am Wohnen geht unter der wattierten Zwangsjacke seltsamerweise verloren. Abgesehen davon waren die Einheitslösungen schon mehr als ein Mal an den konkreten Anforderungen des “Hier und Jetzt” gescheitert, und ein gestern saniertes Haus mutiert zum Pflegefall von Morgen, des Schimmels wegen, der Luftung wegen, der Fassadenaufladung wegen oder der Abertausend anderer Gründe…

Dies besage mitnichten, daß Schönheit im Altbau, oder gar ein Denkmal mit geschützter Fassade notwendigerweise Frieren im Luftzug bedeute! — sehr wohl gebe es Wege und Mittel, Schutz mit Comfort zu versöhnen: im Grunde steht dem nur eine mißverstandene Theorie entgegen.
Generationen von Planern deklinierten ihre Wände im Glaser-Verfahren, berechneten den Wärmedurchlaß und kamen notwendigerweise zum Schluß, daß irgendwo in der Wand der Tauwasserausfaß die Dämmung ausschalte. In Konsequenz müßte sie entweder ganz draußen an der Fassade kleben (auf Kosten des Fassadenschmucks), oder im Inneren, dem Altväter-Klinker zuliebe, mit Feuchtesperren vor Dampf geschützt werden. Diese letzteren, als Folien, wären penibelst miteinander zu verschweißen, auf daß nicht eine einzige Fuge, nicht eine Pore verbleibe — ein Horror, wenn einer nachträglich einen Nagel in die Wand schlage! Eine einzige Maus vermöge, das ganze System zunichte zu machen… Verängstigt, zogen viele Hausbesitzer den Kürzeren und ersuchten die Tilgung des eigenen Hauses von der Denkmalliste: so mächtig kann ein Rechenverfahren sein!
Mächtig falsch, fügen wir Heute dazu. Denn eine Theorie beschreibt das Leben nur näherungsweise.

Bauten der letzten Jahre belegen: neben Glaserschem Rechenansatz sind auch andere möglich. Ade ihr Folien und Kleber, Bahn frei für neue Lösungen, bis hin zum Nanobereich. Doch auch weniger gewagte Pfade sind neuerdings erprobt worden.
Interessanterweise sind die meisten von ihnen just für den Innenbereich gedacht.

Beginnen wir mit PUR- und PIR-Schaum: “Recticel Dämmsysteme” biete sie mit einer diffusionsdichten Alufolie kaschiert und mit Gipsbeplankung an; “Rigips” habe seinen “Rigitherm”-Platten für Fensternischen und andere knifflige Anschlüsse einen zementisierten Kern verpaßt. Beide Fabrikate sind für anschließende Interieurarbeiten vorbereitet.

Nur halb so dick, bloße 5 cm, aber auch entsprechend teurer ist “Rockwools” Steinwolle mit Aerogel. Auch sie komme mit raumseitiger Gipsbeplankung und Dampfsperre.

Dämmen ist die Gelegenheit, über Heizen nachzudenken: vom alten Heizradiator kamen wir zur Fußbodenheizung, noch auch diese ist inzwischen nicht mehr der letzte Stand der Technik. Wie wäre es mit einer Wandheizung? Deren Strahlungsfläche ist nunmal entschieden größer… “Conluto” biete hier ein Lehmsystem an, mit bekanntlich hohem Kondensatspeichervermögen diesen Baustoffs.

Besonders Bau- und Fehlertolerant sind homogene Systeme, wo der bereits angeführte vom Mieter eingeschlagene Nagel keine Sperrschicht zu vernichten droht: “sto therm” greife dazu auf Perlite zurück, “Homatherm” biete zum gleichen Zweck Holzfaserplatten an.

Gedämmte Wand stehe nie alleine: eine Decke habe sie zu tragen und anschließende Bauteile sind mit ihr zu verbinden; beides stelle klassische Kältebrücken dar, sogar unlösbare, denn wie entkoppele man eine Decke? Isokorbe für Inneres sind noch nicht erfunden worden. Man muß demnach Dämmkeile in die Wohnung ziehen und versuchen, sie möglichst unauffällig etwa im Bodenaufbau verschwinden zu lassen.
Alle Systemhersteller haben passende Komponenten in ihren Programmen; hier sieht man ein “Gutex“-Keilstück aus Holzfasern.

Unschlagbar dünn sind die Vakuumpaneele, bauartbedingt: wo bei allen anderen Dämmstoffen die Porenhäufung den Weg des Wärmeübergangs (äquivalente Schichtstärke) verlängere, wird hier die Luft evakuiert und der Übergang ganz und gar verunmöglicht. Ihre 5 cm sind so manchem 20 cm ebenbürtig. Der hohe Preis läßt den flächendeckenden Verbau nicht zu, ob in der Wand oder am Boden.

Alte Dachräume sind seltenst gedämmt, die obersten Geschoßdecken geben die Hauswärme durch den sie deckenden Baumüll oder Lehm ungehindert in den Raum ab — wir aber nutzen diese Energie nichtmal zum Wäschetrocknen mehr! “Knauf” und “Rigips” bieten hier Extruderschaumplatten an, mit werkseitiger Gipskartonoberfläche. Eine weitere GK-Lage mache die dämmende Schicht bereits fußbodenfest.
Eine Dachdämmung wäre dennoch anzuempfehlen.

Sie kann auf verschiedene Art und Weise erfolgen, über Sparren und unter Sparren und zwischen den Sparren auch — was soll die Aufbaustärke unnütz vergeudet werden? Besonders in Ostpreußen ist auf die Luftdichtheit zu achten, auf Anschlüsse und Durchdringungen, auf First und Traufe: in den alten Jahren waren sie der Grund, eine besonders ostpreußische Deckungsart zur Welt zu bringen, das doppelte “Ostpreußische Pfannendach“. Übersparrendämmung mit Zwischensparrendämmung kombinierend, erreicht heute “Klöber” die erforderlichen Dämmwerte bereits bei ab der 14 cm-Stärke.

Vergleichstärken unterschiedlicher Baustoffe:

PUR / PIR
λ = 0,024 W/(mK)
Mineralfaser
λ = 0,035 W/(mK)
Holzfaser
λ = 0,043 W/(mK)
Holz
U = 0,24 100 mm 160 mm 180 mm 460 mm
U = 0,19 120 mm 180 mm 220 mm 580 mm
U = 0,14 ab 160 mm ab 260 mm ab 300 mm ab 780 mm

Energetische Ertüјchtigung der Gebäudehülle soll an Fenstern und Türen nicht Halt machen. Auch hier ist vielerlei möglich, bis zum denkmalgerechtem PVC-Einsatz.


“bba” leite die Leseranfragen an die Hersteller weiter, auf daß sie sich mit den Prospekten und Anleitungen revancheren. Sollte ein Praktikant seine Fragen uns rechtzeitig stellen, können sie noch vor Ende des Übung geliefert werden.

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