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“Retten die Bahnfreunde den Lokschuppen?”

Von: 12inster_admin34534

“Życie Piły” weiß auch schon die Ja-Antwort auf die selbstgestellte Frage und fährt fort: “eine Drei-Parteien-Erklärung im Rundschuppen unterzeichnet”.

Die ausländischen Unterzeichner vom Samstag, Herr Wilfried Wolff aus Berlin und Herr Dimitri Suchin aus Insterburg im Königsbergischen. Wie ein echter Bahnfreund trägt er ein Gewand aus dem 19. Jahrhundert. Aufnahme von Marcin Maziarz.

Komme die Rettung des Schneidemühler Rundschuppens und der anderen Geschichtsbauten der Ostbahn etwa durch die grenzübergreifende Zusammenarbeit? Eine Erklärung zur polnisch-deutsch-russischen Zusammenarbeit auf diesem Felde ist in Schneidemühl an diesem Samstag unterzeichnet worden. “— Dadurch wie durch die internationale Zusammenarbeit überhaupt sei die Entscheidungshilfe für all’ jene gegeben, die heute noch unsicher seien und nichts für die Zukunft dieser Räume unternehmen”, hofft Piotr Ziółkowski, der Vorsitzende des Vereins “Okrąglak”, und fährt fort: “— Jahrhunderte unserer Geschichte seien mit Konflikten beladen gewesen, heute aber werde gemeinschaftlich ein Weg der Kultur- und Tourismus eingetreten, in Deutschland wie in Rußland”.

Noch beschränke sich die Zusammenschluß auf Schneidemühl, Berlin und Insterburg (OPr), so Ziółkowski: “— Ohne es vorwegnehmen zu wollen, hoffen wir aufs Hinzustoßen der Bromberger und Dirschauer”.

Auch zu Insterburg stehe ein Bau der Schneidemühler Art. “— Die Arbeit an seiner Erhaltung fange erst an, doch wir haben schon eine Fülle von Ideen”, so der russische Vertreter, Ingenieur Dimitri Suchin aus Insterburg. “— Auch die Pläne für ihr Lokschuppen sind mir ein Begriff, doch am jeden ist Kritik nötig, alle sind sie einseitig. Die einen Autoren setzen scheinbar alles aufs Tourismus: gute Idee und nur zu Bejahen, doch ist auf den Touristen kein Verlaß. Heute ist er unser Gast — morgen locken ihn die Sonne und die Strände uns weg. Die anderen sehen im Gewerbe den Allheilmittel: auch schön, doch die neusten Entwicklungen zeigen uns, daß auch die Betriebe recht reisefreudig seien. Die dritten schwören auf den Handel, die vierten aud etwas anders, ich aber glaube, daß sie alle umsetzungsfähig seien, doch nie für sich allein — Zusammenarbeit sei das Zauberwort. Man ließ uns denken, daß eine Fabrik Fabrik sein müsse, und Tourismus sei den Touristikern vorbehalten, doch schaut z.B. auf Dresden — in der dortigen “Gläsernen Manufaktur” werde die Montage der VW “Phaeton” zum Schauspiel der besonderen Art, und die Touristen wissen es zu schätzen. Schaut auf Amsterdam — dort im “Kromhout“-Werft leben ein Schiffsbaubetrieb und ein Museum einträchtig zusammen… Von Deutschland über Polen bis nach Rußland ziehe sich eine Perlschnur solcher Bürgeriniziativen. Wir pflegen die Bodenarbeit”.

Derselben Meinung ist auch der Ingenieur Wilfried Wollf, Vorsitzender des Berliner Denkmalschutzausschusses, Magister des Faches Denkmalschutz: “— Im Lokrundschuppen sei für Vieles Platz, für Produktion wie für Kultur, Ausstellungen, Gastronomie oder Tourismus. Denkbar ist es, an alte Bahnverbindungen anzuknüpfen, die von Saarbrücken im Westen Deutschlands bis nach Insterburg im Königsbergischen reichen, und von einem Rundschuppen zum anderen zu reisen: von Berlin nach Schneidemühl, von Schneidemühl nach Bromberg, nach Dirschau, weiter nach Insterburg. Gemeinsam wären auch die Mittel zu aquirieren. Viele Betriebe und Einzelpersonen, die sich vor Ort engagieren wollen, können auch für die Restaurierung gewonnen werden. Lokomotiv-Reparaturwerk “Interlok” sei dem hier vor Ort ein Beispiel; ohne weiteres wären auch diejenigen zu finden, die in seiner Nachbarschaft Gastronomie usw. einrichten können”.

“Interlok”-Werkstätten bedienen die Lokomotive aus ganz Europa. Aufnahme von Marcin Maziarz.

Henryk Palczewski, Besitzer der Dampflok-Reparaturbetriebes “Interlok”, habe gleich zwei Sichtweisen zum Entwurf, der den großpolnischen “Re-Vita”-Wettbewerb für sich entschied: “— Als Geschäftsführer kann ich kein Entwurf gutheißen, wo unsere Firma keine Berücksichtigung fand. Als Schneidemühler sehe ich wohl, wie wichtig dieser Platz für die Gesamtstadt sei. Ein gerüttelt Maß Neues könne hier hinzugefügt werden, Cafés und Boutiquen inklusive, solange man an der Kernfunktion nicht rüttele: einzig die Fortsetzung der Lokreparaturen mache diese Neuerungen erst möglich. Gehe man hier hin, begebe man sich gleisam auf Reise in die Vergangenheit. Die Bauten verdienen es, mehr als eine bloße Behausung eines “Interlok” zu sein — an der Dampflokwerkstatt kann ein einmaliges Tourismuszentrum werden. Wir liegen hier am Fluß — so baue man eine Anlegestelle; eröffne ein Hotel, lasse “Interlok” weiter seine Dampfmaschinen ausbessern, und Dampfer bringen sie bis an die Flußmündung. Fahret die Netze ‘rauf und ‘runter, handelt mit Souvenirs — doch entnimmt den Kernpunkt aus der ganzen Planung, und dies alles wird zu einem 0815er-Projekt, der keinen vom Hocker reiße. Bedenke: 80% dessen, was hier zur Neuansiedelung vorgeschlagen, gebe es in Schneidemühl bereits, etwa am Kulturhaus, Jugendkulturhaus und am Kunst- und Messeamte —. Wozu wiederholen? Einzig die mobile Bühne sei in den Vorschlägen neu, doch im Wettstreit mit Ägypten und Tunis, wo die Schneidemühler in ihren Tausenden ihre Mittel hinbringen, wird sie sich nicht behaupten können. In Schneidemühl begnüge sich Kultur mit den Krümeln anderer Kuchen; all’ das, was hier veranstaltet werde, sorge nicht etwa für mehr Zufluß, sondern für den Abfluß der Besucher aus den schon bestehenden Kulturhäusern, Restaurants und Cafés: der Auswärtige werde warten, bis große Kunst sich zu ihm begebe, und nicht andersrum. Von Galerie zu Galerie reise keiner”.

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